Das Evangelium: Wahrscheinlich ein Wort, was nahezu allen – ob er an Gott glaubt oder nicht – bekannt ist. Aber wissen wirklich alle, was tatsächlich hinter dem Begriff „Evangelium“ steckt?

Das Evangelium ist die Glaubensgrundlage unserer Gemeinde. Gerade deshalb wollen wir uns in einer kurzen Blogreihe anschauen, was das Evangelium umfasst und warum es für uns Christen so wichtig ist.

In Korinther 15,3-4 gibt der Apostel Paulus eine kurze Zusammenfassung des Evangeliums:
„Denn ich habe euch zuerst überliefert, was ich auch empfangen habe: Dass Christus für unsere Sünden gestorben ist nach den Schriften; und dass er begraben wurde und dass er auferweckt worden ist am dritten Tag nach den Schriften;“ (ELB)

Das Evangelium hat also mit Sünde, dem Tod Jesu und der Auferstehung Jesu zu tun. Doch um diese Tatsachen besser zu verstehen, müssen wir uns zunächst den Kontext des Evangeliums anschauen. Paulus sagt in den zwei zitierten Versen zweimal „nach den Schriften“. Damit meint er das Alte Testament, den ersten Teil der Bibel und setzt somit dessen Botschaft zum Verständnis des Evangeliums voraus: Warum musste Jesus überhaupt auf die Erde kommen? Warum gibt es überhaupt Sünde? Warum musste Jesus sterben und auferstehen? Auf all diese Fragen finden wir eine Antwort im ersten Teil der Bibel, dem Alten Testament.

Zu aller erst stellt uns das Alte Testament den Ursprung der Erde und der Menschheit vor:

„Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ (1.Mo 1,1, ELB)

„Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild“ (1.Mo 1,27, ELB)

Die Tatsache, dass Gott der Schöpfer der Erde und des Menschen ist, ist für uns Christen von fundamentaler Bedeutung. Gott ist der Schöpfer, und wir seine Geschöpfe.

In erster Linie ist Gottes Schöpfung ein Ausdruck seiner Liebe. Wayne Grudem definiert Liebe folgendermaßen: „Gottes Liebe bedeutet, dass Gott ewiglich anderen etwas von sich selbst gibt.“

Gottes Schöpfung ist der Beginn einer andauernden Liebe von Gott zu uns Menschen, die damit beginnt, dass Gott den Menschen in die Gemeinschaft mit sich selbst stellt und dem Menschen eine wunderbare Welt zum Wohnen gibt.

Gott selbst bezeichnet seine Schöpfung als „sehr gut“ (1.Mo. 1,31). Es gibt kein Leid, keinen Tod, der Mensch empfindet keine Scham (1.Mo. 2,25), es herrscht uneingeschränkt Frieden und unmittelbare Gemeinschaft zwischen Gott und dem Menschen.

Wenn man an Gott, die Botschaft der Bibel – letztendlich das Evangelium – denkt, fallen schnell Begriffe wie Zorn, Sünde und Gericht. Sie alle haben ihren Platzt und ihre Berechtigung, aber: Alles beginnt mit Gottes Liebe und seiner Absicht, in Gemeinschaft mit dem Menschen zu leben.

Des Weiteren bedeutet Gottes Schöpfung, dass wir Menschen nicht vollständig autonom sind, sondern dass wir unter Gottes Autorität stehen. Das Wort Autorität kommt von dem lateinischen Wort ‚auctor‘, was so viel wie Schöpfer heißt.

In Gottes Autorität über uns, hat er das Recht uns Gebote und Pflichten aufzuerlegen, denen wir Folge zu leisten haben. Gott ist derjenige, der die Maßstäbe in dieser Welt festlegt. Gottes Existenz ist nicht vom Denksystem des Menschen, sondern wir sind von Gottes Existenz abhängig.

Neben Gottes Liebe stellt uns das Alte Testament noch wichtige andere Eigenschaften Gottes vor, die hier kurz angerissen werden sollen, da sie für das Verständnis des Evangeliums wichtig sind:

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1) Gott ist gerecht!


Gerechtigkeit heißt, in allen Situationen das zu tun, was richtig ist. Die Bibel stellt Gottes Gerechtigkeit als eine absolute Gerechtigkeit dar. Er selbst ist die Definition von Gerechtigkeit. Leider wird in der heutigen Zeit Gerechtigkeit (Gottes) oft angezweifelt. Dabei wird Gerechtigkeit oft mit Fairness verwechselt. Hat denn der Mensch vor Gott das Recht, zu verlangen, dass alle Menschen gleichbehandelt werden? Wir dürfen nicht vergessen, dass wir als Gottes Geschöpfe unter seinen Maßstäben, seiner Autorität stehen. Paulus drückt es so aus:
„Wer bist du denn, o Mensch, der du das Wort nimmst gegen Gott? Wird etwa das Geformte, zu dem, der es geformt hat sagen, warum hast du mich so gemacht?“ (Röm. 9,20, ELB)

2) Gott ist heilig! (Jes. 6,3; Off. 4,8; Ps. 99,9)


Heiligkeit bezeichnet etwas vom gewöhnlichen getrenntem, abgesonderten, abgegrenzten. Darin hinein fließt der Gedanke der Trennung, der Reinheit und Makellosigkeit. Heiligkeit im biblischen Sinne heißt, eine Absonderung von Bosheit, Falschheit und Sünde, also den Dingen, die dem Maßstab Gottes (seiner Autorität) widersprechen. Wenn Gott heilig ist, heißt das also, dass er vollkommen rein ist (Hab. 1,13) und unmöglich mit Bosheit in Verbindung stehen kann.

3) Gott ist treu! (5.Mo. 32,4; 2.Tim 2,13)


Treu zu sein heißt, beständig zu sein und zu seinen Versprechen und Verheißungen zu stehen. Gottes Treue bedeutet, dass er immer derselbe ist. Er kann seinen Eigenschaften (Gerechtigkeit, Heiligkeit…) nicht widersprechen. Demnach dürfen wir seinen Aussagen zu 100% vertrauen.

4) Gott ist zornig!


Gottes Zorn ist oft missverstanden. Grund dafür ist, dass Gottes Zorn total unterschiedlich zu unserem Zorn ist, denn Gottes Zorn ist ein heiliger Zorn. Sein Zorn ist die Folge seiner Treue zur Heiligkeit und Gerechtigkeit. Demnach kann Gott nicht mit Ungerechtigkeit in Gemeinschaft stehen und Bosheit tolerieren. Er muss es bestrafen, bis ihm genüge getan ist. (4.Mo. 14,18)
Wir haben gesehen, dass das Evangelium – die gute Nachricht – zuallererst ebenfalls mit einer guten Nachricht beginnt: Gott erschafft eine perfekte Welt für den Menschen. Dieser steht in unmittelbarer Gemeinschaft mit Gott, aber auch unter seiner Autorität.
Leider folgt auf diese erste Gute Nachricht schnell eine schlechte Nachricht. Im Nächsten ‚Teil‘ des Evangeliums werden wir sehen, dass der Mensch anfängt, Gottes Autorität zu missachten.